Nachhaltiges Familienleben

Wie ein nachhaltiger Lebensstil unser Leben verschönerte

Wenn du auf Nachhaltigkeit umsteigen möchtest, liest du immer wieder, dass ein nachhaltiger Lebensstil teurer sei, unheimlich kompliziert und aufwendig. Zu aufwendig, um diesen im Alltag als Familie wirklich durchzuziehen. Doch stimmt das wirklich? Ist ein nachhaltiger und von Müllvermeidung geprägter Lebensstil wirklich teurer und komplizierter? Musst du wirklich auf vieles verzichten? Wir haben es ausprobiert und ziehen Bilanz.

Zugegeben, auch ich war etwas skeptisch, ob das alles längerfristig so hinhaut mit Nachhaltigkeit, plastikfrei und Less Waste. Schließlich gibt es im Discounter und Supermarkt gefühlt nahezu alles in Plastik verpackt. Dazu kommt, dass der nächste Unverpackt-Laden knapp 45 Autominuten entfernt ist und das in Punkto Nachhaltigkeit mit dem Fahrtweg dann ja wieder so eine Sache ist.

Davon abgesehen hatte ich auch etwas Sorge, einfach aus Bequemlichkeit wieder rückfällig zu werden. Denn eine Sache hat sich in den vergangenen Monaten deutlich gezeigt. Ein nachhaltiger Lebensstil kostet (uns) vor allem eines: Zeit.

Das brauche ich hier auch nicht schön reden. Nachhaltigkeit muss man wollen. Was sich für uns noch verändert hat, seitdem wir bewusst nachhaltiger und plastikfreier leben, schauen wir uns jetzt mal genauer an:

Wir kaufen gesünder und saisonaler ein

Süßigkeiten sind fast alle – sogar die Bioprodukte – in Plastik verpackt. Da Süßigkeiten nicht lebensnotwendig sind, kaufe ich diese schlichtweg nicht mehr ein. Wenn wir Lust auf etwas Süßes haben, machen wir uns diese selbst. So entstehen leckere Schichtdesserts mit selbstgemachtem Naturjoghurt oder ich backe mit der großen Löwentochter leckeren Kuchen.

Das ist natürlich nicht so schnell, wie eine Tüte Gummibärchen aufzumachen, oder mal eben ein Stück Schokolade zu mampfen, macht aber deutlich mehr Spaß und ist vor allem nicht immer da, sondern auch für die Kinder dann etwas Besonderes. So wie das bei uns früher auch war. Wenn es schnell gehen muss, gibt’s dann oft einfach Obst, was sowieso viel gesünder ist.

Obst und Gemüse kaufen wir entweder unverpackt im Supermarkt, oder – was wir dort nicht bekommen – beim Gemüsehändler. Dadurch kaufen wir automatisch saisonaler ein und freuen uns wieder auf die „Erdbeerzeit“ oder „Spargelsaison“. Ein schöner Nebeneffekt: Wir essen automatisch gesünder.

Wir kaufen seltener und bewusster ein

Seitdem wir auf Nachhaltigkeit umgesattelt sind, sind unsere Einkäufe tatsächlich zeitintensiver geworden. Ich fahre nicht mehr in nur einen Supermarkt, sondern steuere inzwischen drei Ziele an. Dafür kaufen wir vieles in größeren Mengen ein, wie zum Beispiel haltbare Dinge. Obst und Gemüse, das gerade Saison hat, koche ich oder friere es ein, damit wir es auch in den kommenden Wochen noch vorrätig haben.

Da unsere Einkäufe jetzt etwas länger dauern, habe ich jedoch das Gefühl, auch bewusster einkaufen zu gehen. Wir schauen nach Alternativen, wenn gerade etwas nicht verfügbar ist, kaufen nur so viel ein, wie wir auch wirklich brauchen bzw. verbrauchen können und schauen deutlich mehr nach links und rechts bei unseren Einkäufen, was das Ganze von einem Marathon zu einem Erlebnisausflug machte.

Einkaufen im Unverpackt-Laden

Wir haben viel mehr wiederverwendbare Produkte

Und zwar solche, an denen wir uns lange erfreuen. Bei denen unser Herz aus irgendeinem Grund immer wieder anfängt zu hüpfen, wenn wir es benutzen. Ich habe mir zum Beispiel neue Glasbehälter mit Deckel gegönnt, die ich nun zur Aufbewahrung verwende. Und bei allen Glasbehältern, die wir einkaufen, löse ich die Aufkleber ab und verwende sie weiter, statt sie ins Altglas zu werfen.

Statt Wegwerf-Feuchttücher und -Windeln haben wir jetzt Stoffwindeln und Feuchttücher aus Stoff. Auch wunderschöne gute alte Stofftaschentücher und geerbte Stoffservietten machen unseren Familienalltag nun seit einiger Zeit schöner. Mal davon abgesehen, dass ich es einfach toll finde, Dinge von meinen Großeltern weiter zu verwenden und so noch ein langes, weiteres Leben zu schenken.

Wir machen sehr viel selbst

Was ich vorhin schonmal angedeutet habe: Seitdem wir nachhaltig einkaufen – und vor allem plastikfrei – machen wir extrem viele Dinge selbst. Neben selbstgemachtem Naturjoghurt wird auch die Gemüsebrühe, das Brühegewürz, Ketchup, Majonnaise, Brotaufstriche, Kuchen und vieles mehr selbst hergestellt. Außerdem habe ich (wieder) angefangen zu nähen, vermehrt zu häkeln und vieles einzukochen, oder einzufrieren. Dabei sind tolle Projekte entstanden, wie unsere selbstgemachten Feuchttücher, Stoffservietten oder Serviettenringe.

Jetzt sagst du aber vielleicht: „Ich habe keine Zeit, alles selbst zu machen!“. Kann ich voll und ganz nachvollziehen. Die habe ich eigentlich auch nicht als selbstständige Mama. Allerdings habe ich mal hochgerechnet, ob ich mehr Zeit investiere, wenn ich einmal etwas herstelle und viele, viele Jahre verwenden kann, oder wenn ich das immer wieder einkaufe. Und da bin ich bei vielen Dingen einfach beim Selbermachen besser weggekommen.

Außerdem sind das schöne Projekte, die du zum Abschalten machen kannst, oder sich als Familienaktion eignen und man noch lange erzählen kann.

Familienalltag - Apfelsaft

Wir haben deutlich weniger Müll

Was jetzt nicht ganz überraschend ist, aber dennoch beachtlich. Unsere gelbe Tonne ist statt „voll“ nach vier Wochen nur noch mit maximal zwei Säcken gefüllt (also ungefähr ein Viertel voll). Und das wird auch immer weniger, weil ich keine Plastiksachen mehr einkaufe. Unsere Restmülltonne ist ebenfalls nur noch halb voll nach vier Wochen. Davor war es meist schwierig bei zwei Windelkindern alles in die Tonne zu bekommen.

Und ja, es fühlt sich echt gut an, nicht mehr so viel unnötigen Müll zu produzieren. Mittlerweile sehe ich das als meine persönliche Challenge, jede Woche noch weniger Müll zu haben und noch seltener raus zum Mülleimer zu müssen 😀

Wir sparen Geld

Ein Punkt, den wir erstmal nicht vermutet haben. Schließlich wird immer behauptet, ein nachhaltiger Lebensstil sei teurer. Aber tatsächlich sind unsere monatlichen Ausgaben gesunken (einen detaillierten Artikel dazu gibt es bald). Grund dafür sind Lebensmittel, die wir einfach nicht mehr kaufen wie Süßigkeiten. Aber vor allem auch Windeln mit allem drum und dran. Die neuen Stoffwindeln waren zwar auf einen Schlag teurer, aber die Kosten haben wir in kurzer Zeit wieder reingeholt, so dass wir dabei mittlerweile schon wieder im Plus sind.

Außerdem haben wir viele andere Dinge durch nachhaltige Produkte ersetzt, die wir nur noch einmal kaufen mussten, wie zum Beispiel Frischhaltefolie, Gefriertüten und Backpapier.

Wir verzichten nicht, wir ersetzen

nachhaltiger Lebensstil
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Ein Punkt, der auch immer wieder gesagt wird, ist, dass man durch bewusstes Weglassen verzichten müsste. Ganz ehrlich? Das finde ich überhaupt nicht. Wenn es gerade keine Spitzpaprika unverpackt gibt, kaufe ich eben normale Paprika. Brokkoli gibt es nur eingeschweißt? Dann eben Blumenkohl. Da ich – wie du vielleicht schon gemerkt hast – auch mal ganz gerne nasche, mache ich meinen Süßkram einfach selbst.

Ein nachhaltiger Lebensstil ist für uns wieder ein bisschen zurück zukommen. Zurück in die Zeit unserer Eltern und Großeltern (im positiven Sinne). Unser Esstisch wird schöner gedeckt, unser Essen mit mehr Liebe zubereitet und viele Dinge wertschätzen wir in unserem Alltag mehr, weil wir sie für viele Jahre gekauft haben und so mit vielen Erinnerungen verbinden.

Wie ist das bei dir: Bist du auch etwas „oldschool“ oder findest du das eher doof? Wie hat ein nachhaltiger Lebensstil deinen Alltag verändert? Und welche Punkte haben dich jetzt überzeugt, auf Nachhaltigkeit umzusteigen?

2 Comments

  1. Hey Isabelle,
    du sprichst mir mit deinem Beitrag aus der Seele. Auch wenn bei uns der Familienaspekt mit dem 7-Monate-Baby noch nicht so ausgeprägt ist, habe ich mich in den meisten Punkten wiedererkannt.
    Klar, bedeutet ein nachhaltiger Lebensstil ab und zu, etwas (noch) nicht zu haben. Und jetzt gerade stehen wir oft vor unserem Stammgemüsehändler auf dem Markt und träumen von mehr Auswahl. Aber sobald die erste Gurke, die erste Tomate oder die erste Erdbeere da ist, wissen wir das viel mehr zu schätzen als noch vor ein paar Jahren, als wir noch die südeuropäische Variante rund ums Jahr gekauft haben.

    Bei mir ist mir auch noch ein weiterer Punkt aufgefallen. Meinen persönlichen Konsum außerhalb von den lebensnotwendigen Dingen, sprich Kleidung etc, habe ich in den letzten Jahren immer weiter herunter gefahren. Ich kaufte immer weniger, dafür hochwertiger und Schritt für Schritt auch nachhaltiger. Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich fast nur noch Dinge kaufe, die ich wirklich brauche. Bei mir hat das bewirkt, dass ich nicht mehr dieses Bedürfnis habe, Dinge zu kaufen. Es macht mir nicht mehr so viel Spaß wie früher, zu bummeln und zu stöbern. Und das finde ich überhaupt nicht schlimm! Große Ausnahme sind Flohmärkte, aber die zählen ja fast schon als Menschenstudien 😉
    Insgesamt fühle ich mich dadurch auf jeden Fall freier und freue mich tatsächlich umso mehr über die Dinge, die ich habe, statt über deren Kauf.

    1. Hallo Vanessa,

      oh ja, da sprichst du einen wichtigen Punkt an, den ich im Laufe der Zeit auch bei mir beobachten konnte: Ich kaufe wahnsinnig selten ein und wenn, dann nur das, was wir wirklich brauchen. Kleidung habe ich mir schon ewig nicht mehr gekauft und Schuhe – nun, die Anzahl ist durchaus überschaubar. Und trotzdem habe ich alles, was ich brauche. Ich bin echt angetan von einer „Capsule Wardrobe“, konnte diese allerdings noch nicht umsetzen. Irgendwie passt nichts so richtig zusammen 😀

      Das gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit, finde ich Klasse!

      Liebe Grüße
      Isabelle

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